Francesco Petrarca


Francesco Petrarca in einem Ausschnitt eines Freskos Altichiero da Zevios im Oratorio di San Giorgio in Padua (ca. 1376)

Francesco Petrarca wurde 1304 in Arezzo, Toskana, geboren. Er starb 1374 in Arquà di Petrarca, Venetien, wo er auch begraben ist.

Giovanni Boccaccio verglich um 1350 erstmals die Leistung Petrarcas mit der Giotto di Bondones, von dem er sagte, dass er die Malerei wieder ans Licht brachte, um die Augen der Unwissenden zu vergnügen als auch dem Verstand der Kenner zu gefallen. Viele Jahrhunderte lang sei sie verborgen gelegen. Boccaccio erklärte die Erneuerung der Malerei vor allem durch das Zurückführen auf die Maßstäbe der Natur, wie sie in der Antike vorherrschend waren. Ebenso habe Petrarca die Literatur aus der Verborgenheit des Grabes ans Licht gehoben. Petrarca habe Apollo wieder in sein altes Heiligtum eingesetzt und den Römern das tausend Jahre nicht verehrte Kapitol von neuem geweiht.
Der Niedergang antiker Kunst sei vor allem durch äußere Verwüstungen der Barbaren geschehen, aber auch aufgrund der inneren Unterdrückung durch das herrschende Christentum.

Bereits Ende des dreizehnten und im frühen vierzehnten Jahrhundert vollzog sich eine Erneuerung von Kunst, Wissenschaft und Literatur. Aus vielerlei Anknüpfungen an die Antike, erneuerter Kenntnis ihrer Schriftsteller und Philosophen erhob sich zunächst das alles überstrahlende Werk Dantes. Eine Generation später erwuchs mit zunehmendem Wissen um und Orientierung an der lateinischen Literatur Petrarcas Konzeption der tenebrae, der zu verabschiedenden dunklen Jahrhunderte, welche eigentlich die des herrschenden Christentums waren. Petrarca beurteilte die Geschichte seit Konstantin als schlecht.

Seit Petrarca begann man sich Rechenschaft über den Untergang Roms und den Untergang der Gelehrsamkeit und der Künste zu geben. Deren Wiedererstehen im Italien der Renaissance prägte die europäische Bildung bis in das 20. Jahrhundert. Petrarca sperrte sich gegen die unmittelbare Beziehung oder gar Abhängigkeit von einer starken politische Macht wie in den Zeiten von Alexander oder Augustus. Die Epoche der Renaissance sprengte das Schema der die Macht rühmenden und begleitenden Künste und Wissenschaften. Kunst, Literatur und Wissenschaft begannen sich zu verselbständigen und die Politik an Größe und Wirkung zu übertreffen.

Petrarcas Gemütsverfassung, soweit diese aus seinen Werken ablesbar ist, wies jene Eigenheiten auf, die im Verlauf der folgenden Jahrhunderte für das Selbstverständnis der Intellektuellen immer prägnanter wurden: Selbstbeobachtung und das Eingeständnis der Unbegründbarkeit der eigenen Illusionslosigkeit.

Sein Lebensgefühl fasste Petrarca so zusammen: Den Frieden kann ich nicht finden, und führe doch keinen Krieg. Von innerer Unruhe geplagt, irrte er als Lobredner selbstgenügsamer Beschaulichkeit oft ziellos in der Welt umher. Hin- und hergerissen zwischen Sehnsüchten und Ängsten, Begierden und Zweifeln kam Petrarca mit sich selbst, Gott und der Welt niemals ins Reine. Sein unstetes Leben bewegte sich in einem ständigen Kampf zwischen den zwei Extremen, der eitlen Welt einerseits, der er sich nicht entziehen konnte, und einem von deren Lärm und ihren Verlockungen abgesonderten Geistesleben andererseits. Oft glichen seine Reflexionen einer Selbstanklage, denn er litt an seiner Unentschlossenheit und Halbherzigkeit, seinen Niederlagen und seinem Scheitern. Er war sich klar darüber, dass Muße ohne geistige Beschäftigung Begrabenwerden bei lebendigem Leib bedeutet. Ein Leben in Abgeschiedenheit ohne geistige Tätigkeit betrachtete er als Verstoßensein und Qual. Ist es jedoch mit geistiger Tätigkeit verbunden, ergibt sich daraus Freiheit und Freude.

Seine wichtigsten Werke:

Canzoniere
Africa
De vita solitaria

Secretum meum

Briefe



Grab Petrarcas in Arquà, Venetien
   


Seitenanfang
Seitenende