Giorgio Vasari



Selbstporträt

Giorgio Vasari wurde 1511 in Arezzo geboren und starb 1574 in Florenz.

Die Verabschiedung der mittelalterlichen Weltsicht geht maßgeblich auf den toskanischen Dichter Petrarca zurück, der, in Rückbesinnung auf die vermeintlich glücklichere Antike ein besseres Zeitalter herbeisehnte.

Das Programm der italienischen Renaissancegelehrten war bereits bei Petrarca vorhanden. Doch zusammengefasst findet sich der Geist dieser Epoche erstmals bei Giorgio Vasari. Zweihundert Jahre nach Petrarca distanzierte sich Vasari, der ebenfalls aus dem toskanischen Arezzo stammte, vom „dunklen Mittelalter“ und begrüßte freudig die „rinascità“ – die Wiedergeburt der antiken Künste* und der antiken Philosophie.


Titel der 2. Ausgabe seiner Künstlerbiographien,
welche 1568 mit einem Holzschnitt von ihm
in Florenz erschien.

Vasari begann sein berühmtes Konvolut der Künstlerbiographien mit Gott, dem deus artifex, der die Welt erschuf, und er ließ es in der Erstausgabe mit dem Jüngsten Gericht aus der Hand Michelangelos, des artifex divinus, enden. In dessen Werk, aber auch in der Kunst Raffaels und Leonardos erfüllte sich für Vasari eine rund dreihundertjährige Fortschrittsgeschichte, in der die Toskana zum Mittelpunkt der Welt wurde und die Gegenwart als die beste aller Kunstepochen erschien. Michelangelo habe die Schöpfung besiegen und schließlich übertreffen können, schrieb Vasari. Im Grabmal für Papst Julius II. sei dem biblischen Propheten Moses zu seiner Auferstehung verholfen worden, dank Michelangelos lebensechter Darstellung. Was eigentlich erst am Ende aller Tage denkbar schien, wird durch die Künstler vorweggenommen: das Paradies.

Angesichts der vollendeten Kunst kehrte Vasari auch den Wortgebrauch von moderno um. Stand dieses Wort bisher für den abgelehnten gotischen Stil, so bezeichnete er damit den Stil der Renaissance. Bei der Vergangenheit unterschied Vasari vecchio für das schlechte Alte des Mittelalters von antico. Seine ganze Epoche schaute begeistert auf die Vergangenheit, um in dieser die eigene Zukunft zu erkennen.

Vasari wurde zum vielleicht bestdokumentierte Künstler des sechzehnten Jahrhunderts. Er hinterließ nicht nur eine Autobiographie, sondern auch zahlreiche Korrespondenzen und viele Unterlagen seines Schaffens. Wenig Aufschluss ergibt sich aber über seine Gefühlswelt und sein Familienleben. Zu seiner Zeit war der Begriff des Privatlebens nicht einmal gebräuchlich. Famiglia meinte so wie im antiken Wortverständnis der Römer den ganzen Hausstand mit allen Verwandten und Angestellten. Hingegen ist seine Karriere gut belegt. Er starb als reicher Mann und wurde noch kurz vor seinem Tod zum Ritter vom Goldenen Sporn geschlagen.

Vasari beschrieb in seiner Autobiographie, wie es zur Abfassung seiner Künstlerviten kam:

Zu jener Zeit* ging ich oft abends fort und sah den durchlauchtigen Kardinal Farnese* speisen, bei dem sich viele einfanden, um ihn durch schöne und ehrenvolle Gespräche zu unterhalten. Dazu fanden sich auch immer Molza, Annibale Caro, Messer Gandolfo und Messer Claudio Tolomei, Messer Romolo Amaseo, Monsignore Giovio und viele andere Gelehrte und Edelleute ein, die zur Hofhaltung jenes Herrn gehörten. Eines Abends kam in dieser Gesellschaft die Rede auf das Museum Giovios und auf die Bildnisse berühmter Männer, die dort der Reihe nach mit schönen Inschriften aufgestellt sind. Eins führte auf das andere, wie es im Gespräch zu geschehen pflegt, und Monsignore Giovio äußerte, er habe immer große Lust verspürt und verspüre sie auch noch, seinem Museum und seinem Buch ‚Lobreden’ einen Traktat hinzuzufügen, in dem von den berühmten Meistern der Zeichenkunst die Rede wäre, die von Cimabue bis auf unsere Zeit gelebt hätten. Er verbreitete sich über diesen Gegenstand und zeigte viele Kenntnisse und Einsicht in unseren Beruf. Freilich begnügte er sich mit dem Allgemeinen und ging nicht auf das Besondere ein, so dass er oft Namen, Vornamen, Vaterstadt und Werke der Künstler verwechselte oder nicht genau sagte, wie die Sachen sich verhielten, vielmehr alles nur im großen behandelte. Nach Beendigung seines Vortrages wandte sich der Kardinal zu mir und fragte: ‚Was meint Ihr, Giorgio, wird das nicht ein schönes Werk und eine schöne Arbeit sein?’ – ‚Schön, Erlauchter Herr’, entgegnete ich, ‚wenn irgend jemand unseres Berufs Herrn Giovio unterstützt, so dass jedem Ding sein Platz angewiesen und gesagt wird, wie es in Wahrheit sei!’ Ich bemerkte dies, weil seine Rede vorhin zwar bewunderungswürdig war, er aber Verwechslungen gemacht und oft eine Sache statt einer anderen genannt hatte. – ‚So gebt Ihr ihm ein Inhaltsverzeichnis’, sprach, aufgefordert von Giovio, Caro, Tolomei und anderen, der Kardinal zu mir, ‚und geordnete Notizen über alle jene Meister und ihre Werke in zeitlicher Ordnung. Erweist dadurch auch Eurerseits der Kunst einen Dienst.’ – Dies versprach ich nach besten Kräften zu tun, obgleich ich erkannte, dass es eigentlich über meine Kraft ginge, und begann, alle meine hierauf bezüglichen, von Jugend auf zum Zeitvertreib und aus Liebe für das Andenken der Künstler gesammelten Bemerkungen und Schriften hervorzusuchen, auf die ich einen besonderen Wert legte. Ich stellte zusammen, was ich für den bezeichneten Zweck geeignet hielt und brachte es zu Giovio, der meine Sorgfalt rühmte und sagte: ‚Mein Giorgio, ich will, dass Ihr die Mühe übernehmt, alles dieses in der Weise auszuführen, die Euch, wie ich sehe, auf das trefflichste gelingen wird. Mir fehlt der Mut dazu, ich kenne nicht die verschiedenen Stile und eine Menge Einzelheiten, die Ihr wissen könnt, abgesehen davon, daß es doch meist eine dem Plinius ähnliche Abhandlung sein würde, wenn ich den Plan ausführte. Tut, was ich Euch sage, Vasari, ich sehe, es wird Euch glücken, nach der Probe, die Ihr durch die Erzählung hier geliefert habt.’ Da es aber schien, als ob ich nicht sehr geneigt sein würde, ihm zu folgen, veranlasste er Caro, Moza, Tolomei und andere meiner Freunde, mir zuzureden. Ich entschloss mich endlich und begann das Werk mit der Absicht, es zum Schluss einem dieser Männer zu geben, damit er es durchsehe, verbessere und dann unter einem fremden Namen drucken lasse.

Die in seinen Biographien erwähnten Maler, Bildhauer und Architekten:


   
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