Sinai



In der Tora* wird jener Mythos beschrieben, nach dem Gott mit Moses einen Bund schloss, welcher das für die Israeliten relevante Gesetz enthielt, das bis heute nicht nur das Judentum prägt. Dieses Gesetz gilt als unumstößlich. Die Tora ist für die Juden der unaufgebbare Mittelpunkt. Sie umfasst die fünf Bücher des Moses mit den 613 Vorschriften (248 Gebote und 365 Verbote).

Gott selbst spricht zu Moses und beauftragt ihn, das Volk darauf hinzuweisen, den Bund mit ihm einzuhalten,

... denn dann werdet von allen Völkern ihr mein Eigentum sein, denn mein ist die ganze Erde* ...
Und die Israeliten sprachen zu Moses: Rede du mit uns, und wir wollen hören. Gott aber soll nicht mit uns reden, damit wir nicht sterben. Da sprach Moses zum Volk: Fürchtet euch nicht, denn um euch auf die Probe zu stellen, ist Gott gekommen, und damit die Furcht vor ihm euch vor Augen stehe, damit ihr nicht sündigt* ...

In den Mühen der Ebene, etwa bei der Eroberung des Philisterlandes, zeigt sich diese beschriebene enge Verbindung von Gott und der Sündhaftigkeit des Menschen in eindringlicher Weise:

David und das ganze Haus Israel tanzten vor dem Herrn mit verschiedenen Hölzern vom Wacholder, mit Leiern, Harfen und Pauken, mit Rasseln und mit Zimbeln. Dann aber kamen sie zur Tenne des Nachon, und Ussa griff nach der Lade Gottes und hielt sie fest, denn die Rinder hatten sich losgerissen. Da entbrannte der Zorn Gottes über Ussa, und dort schlug ihn Gott dieser Vermessenheit wegen, und er starb bei der Lade Gottes* ...

Saul war der erste König der Israeliten. Zunächst hatte David sein Wohlwollen, doch bald verlor er es, da er in Saul eine stetig wachsende Eifersucht entfachte, weil er mutig, begabt und vor allem beim Volk sehr beliebt war. Die Gebote und Verbote, welche am Sinai verkündet wurden, fanden nun eine bizarre Missachtung:

...als David sich auf den Weg machte und mit seinen Leuten zog, erschlug er zweihundert von den Philistern, brachte ihre Vorhäute zum König und legte sie vollzählig vor ihn hin, um sein Schwiegersohn zu werden. Und Saul gab ihm seine Tochter Michal zur Frau. Als Saul immer deutlicher erkannte, dass Gott mit David war und dass seine Tochter Michal ihn liebte, fürchtete er sich noch mehr vor David. So wurde Saul für alle Zeit zum Feind Davids. Die Fürsten der Philister zogen immer wieder in den Kampf. Sooft sie aber ausrückten, hatte David mehr Erfolg als alle anderen Diener Sauls, sodass sein Name immer mehr galt* ...

Die archaischen Grausamkeiten des Gottes der Israeliten und seiner Auserwählten sind das Ergebnis des israelitischen Urmythos. Dieser besteht darin, dass jedes wirkliche und vermeintliche Versagen der Menschen von einem unerbittlichen, fernen und doch so nahen Gott bestraft wird.



   


Seitenanfang
Seitenende