Die Tafelrunde des Königs Artus


Edward Burne-Jones, 1833 – 1898: König Arthurs Tafelrunde (The Summons) *

Seit beinahe eintausendfünfhundert Jahren wird die Geschichte des Königs Artus immer wieder neu niedergeschrieben, Elemente wurden hinzugefügt und weggelassen. In all den verschiedenen Ausprägungen dieser Sagengestalt faszinierte Arthur die Menschen immer wieder. Bis heute ist die Artuslegende eine offene geblieben. Es konnte bis jetzt nur wenig aus dem Dunkel der Entstehungsgeschichte geborgen werden. Unsicher ist nach wie vor, ob Artus ein Kaiser oder Kriegsherr war, ein edler Römer oder ein Barbar, ein gläubiger Christ oder ein Heide. All diesen verschiedenen Sichtweisen ist jedoch gemeinsam, dass er bereits für viele Menschen im frühen Mittelalter eine Lichtgestalt und eine Symbolfigur für bessere Zeiten war.

Camelot, seine Residenz, wurde einerseits zum Symbol für das vergangene goldene Zeitalter, andererseits wusste man, dass der Verfall dieses königlichen Hofes nicht verhindert werden könne. Keine Bedrohung von außen, sondern interne Angelegenheiten, Liebesaffären, Verrat und Betrug führten zum Untergang Camelots. Erstrebte Ideale und persönliches Versagen kannte jeder Leser nur zu gut aus seinem eigenen Leben.

Artus selbst, so wird berichtet, habe einen runden Tisch aufstellen lassen, damit es unter seinen Rittern nicht zu Streitigkeiten um die besten Plätze komme. Er selbst saß nicht an dieser Tafel. Hier erzählten die Ritter von ihren Taten, welche vor allem vom Geist der Liebe initiiert und deshalb mit den christlichen Mysterien eng verbunden waren. Zu den berühmtesten Rittern der Tafelrunde zählten Gawain, Lancelot, Parsifal, Tristan und Mordred, Artus’ Sohn. Jeder von ihnen zeigte in seinem Leben die höchsten Stufen ritterlicher Ideale und die tiefsten Tiefen des Scheiterns.

Mordred beging schließlich Verrat am König und riss die Herrschaft über das Reich an sich. In der Schlacht von Camlann, in der die besten und edelsten Ritter fielen, tötete Artus Mordred. Dabei wurde er selbst schwer verwundet. Seine Halbschwester Morgan Le Fay brachte ihn nach Avalon, die Apfelinsel, wo er von ihr gepflegt wurde. Er versank in einen tiefen Schlaf. Allmählich wurde Artus nicht bloß zu einem Vorbild, sondern zu einer Figur im Zentrum eines Gegenentwurfs zu den realen Herrschaftsverhältnissen.

Die Ritter der Tafelrunde des Königs Artus zeigten auf ihre Weise ihre hohen Ideale und ihr Unvermögen, das zum Untergang führte. Sie verstanden ihr Leben als eine Pilgerschaft zu einem letzten überirdischen Ziel. Doch sie waren Realisten, welche auf ihre Art wussten, dass der Mensch durch Nützlichkeitserwägungen, Stolz und Ehrgeiz geleitet wird. Demgegenüber standen die ritterlichen Ideale der Tapferkeit, der Würde, der Mäßigkeit, der Treue und der Demut.

Stolz und Vorteilsstreben werden als Vanitas* entlarvt, die ritterlichen Ideale hingegen als Ausdruck der Veritas* wahrgenommen. Das eine wird durch Eigenliebe bestimmt, das andere durch die Kenntnis der eigenen Unvollkommenheit. Die Ritter der Tafelrunde, diese Heroen der Tugend und gleichzeitig Repräsentanten von Schwäche und Unzulänglichkeit, zeigen, dass der Mensch trotz zeitweiliger Heldenhaftigkeit letztlich nur scheitern kann.


   
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