Francesco Guardi, Santa Maria della Salute in Venedig

Öl auf Leinwand
Akademie der Bildenden Künste in Wien

Francesco Guardi wurde am 5. Oktober 1712 in Venedig geboren, wo er am 1. Januar 1793 starb. Er entstammte einer Malerfamilie und war mit Giovanni Battista Tiepolo, 1696 – 1770, verschwägert. Seine Aufträge erhielt er sowohl durch die Republik Venedig als auch von privaten Mäzenen. Viele seiner Bilder sind kunsthistorische Zeugnisse über das Leben und den Alltag der Venezianer, aber auch über die prunkvollen Feste, welche im Venedig des 18. Jahrhunderts gefeiert wurden.

Sein Ölgemälde Santa Maria della Salute wird etwa auf das Jahr 1760 datiert. Im Mittelpunkt steht jene vom erst dreiunddreißigjährigen Architekten Baldassare Longhena geplante Kirche, deren Bau durch den Dogen Nicolò Contarini anlässlich der Pest im Jahre 1630 initiiert wurde. Durch ihre Maße, aber vor allem durch die an Andrea Palladio geschulte Sichtweise Longhenas erfuhr die venezianische barocke Formensprache eine eigenwillige Akzentuierung, die sie von der römischen unterschied. Die Salute und die sie umgebenden weltlichen Bauten blieben das letzte große bauliche Projekt der Lagunenstadt.

Bemerkenswert an diesem Bild Guardis ist der fast impressionistisch anmutende Himmel, welcher die Kirche als irdische Repräsentantin des überirdischen Himmels besonders hervorhebt. Im Vordergrund sieht man die für Francesco Guardi typischen Alltagsszenen, welche die unvermeidlichen Gondeln am Canale Grande und in einem eher ärmlichen Umfeld parlierende Menschen zeigen.

Der Kontrast zur Gegenwart könnte nicht größer sein. Heute befinden sich auf der gegenüberliegenden Seite von Santa Maria della Salute einige Grandhotels der Stadt mit ihren auf Terrassen angelegten exklusiven Bars…

Die sichtbare Armut mag aus Venedig im Großen und Ganzen verschwunden sein, auch gibt es jene undurchschaubare Aura nicht mehr, welche Venedig seinen einzigartigen Zauber verlieh. Der moderne Massentourismus und das Schwinden der einheimischen Bevölkerung tun ihr Übriges dazu. Wenn es auch diesen Zauber nicht mehr gibt, so berichten doch viele Besucher der Stadt von ihrer Verzauberung, wenn sie durch die stillen Gässchen gehen oder vom Tourismus unbehelligte Sehenswürdigkeiten betrachten, welche die Narrheit der Welt vergessen lässt.




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