Samuel van Hoogstraten: Trompe l'oeil-Stillleben

Öl auf Leinwand
Akademie der Bildenden Künste in Wien

Samuel van Hoogstraten wurde 1626 in Dordrecht geboren, wo er auch 1678 starb.

Dieses mittels perspektivischer Darstellung Dreidimensionalität vortäuschende Stillleben verweist auf zwei Grundelemente der niederländischen Malerei:

Einerseits wandte man die Aufmerksamkeit den alltäglichen Dingen zu, den völlig unspektakulären Gegenständen des täglichen Bedarfs, aber auch den Landschaften, den Tieren, dem Himmel und seinen einmaligen Wolkenpanoramen.

Andererseits ergaben die durch Genauigkeit und Finesse dargestellten Dinge eine neuen Betrachtungsweise der Welt, wie sie bereits durch die Reformation initiiert wurde. Das Weltliche blieb zwar weiterhin das Gegenüber Gottes, doch gleichzeitig wurde es als jener Bereich angesehen, in dem sich der Mensch bewähren muss. Das Zurücktreten der Sakralmalerei, die in den katholischen Ländern noch lange einen vorrangigen Platz einnahm, brachte es mit sich, dass in den Alltagsmotiven, den Stillleben, den Porträts und den Naturdarstellungen das Vanitasmotiv und die Unvollkommenheit der Welt als eine Grundidee dieser Malerei angesehen werden kann.

Die niederländische Malerei des siebzehnten Jahrhunderts wird auch deshalb Goldenes Zeitalter genannt, weil sie jene geistig-moralische Orientierung reflektierte, welche für die Menschen dieser Zeit das Fundament bildete. Die zahlreichen Stillleben gewährten zwar Einblicke in das tägliche Leben des Bürgertums mit manchmal sehr sinnesfreudigen Interieurs, doch fehlte fast nie ein Vanitas-Motiv mit seiner warnenden Botschaft.welche auf das Buch Ekklesiastes – gr.: der in der Versammlung das Wort führt –, zurückgeht. Die Eitelkeit alles Irdischen, die Kürze des Lebens, die Nutzlosigkeit alles Tuns werden hier deutlich beschrieben. Jede dieser Beschreibungen schließt mit der Aufforderung, das Leben zu genießen. Eine Jenseitsvorstellung war im Alten Tetament nicht ausgeprägt. Die Reformation baut vor allem auf das auf Augustinus zurückgehende Prinzip sola gratia auf. Deshalb werden Kostbarkeiten des Wohlstands zwar genau dargestellt, doch immer mit dem Vanitas-Motiv versehen. Denn vor Gott zählen sie nichts.




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