Rembrandt van Rijn: Bildnis einer jungen Frau

Öl auf Leinwand
Akademie der Bildenden Künste in Wien

Rembrandt Harmenszoon van Rijn wurde 1606 in Leiden geboren und starb 1669 in Amsterdam. Abseits seiner Selbstbildnisse malte er viele Bilder, welche sich mit dem Alter und seinen Folgen, wie körperliche Gebrechlichkeit, beschäftigten.

Dieses Bildnis einer jungen Frau wird auf das Jahr 1632 datiert.

Im Mittelpunkt stehen die Physiognomie und die Kleidung der Porträtierten. Auf eine nähere Bestimmung des Raumes, in dem sie sich befindet, wird völlig verzichtet. Das Bild erregt auch deshalb sofort unsere Aufmerksamkeit, weil außer der Kleidung mit ihren dezenten Spitzen keine Attribute zu sehen sind, welche Hinweise auf die junge Frau geben könnten. Sie spricht nur durch ihre verhaltene Mimik, ihren Blick und ihre sparsame Gestik. Der dunkelbraune, fast schwarze Stoff ihrer Garderobe und die weißen Spitzen, welche nicht einfacher hätten gestaltet sein können, weisen die junge Frau als Angehörige jener damals dominierenden reformierten Kreise aus, welche jede äußere Prunkentfaltung ablehnten. Die feinen Spitzen galten bereits als gerade noch hinnehmbares Zugeständnis an die menschliche Eitelkeit. Das Spitzenhäubchen wird durch einen perlenähnlichen Schmuck zusammengehalten und verdeckt das nach hinten gekämmte Haar der jungen Frau. An ihren Händen ist abzulesen, dass sie mit körperlicher Arbeit vertraut war und auch über eine Energie verfügte, welche die an der Armlehne des Stuhles gestützte Hand zum Ausdruck bringt.

Das Bildnis stellt einen Höhepunkt der Porträtmalerei des als Goldenes Jahrhundert bezeichneten siebzehnten Jahrhunderts dar, weil es alle Kennzeichen dieser Kunstgattung minimalistisch, pur und doch voller Eigenleben zum Ausdruck bringt.




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