Francis Bacon: Studie nach Vélazquez' Porträt des Papstes Innozenz X.

Öl auf Leinwand
Des Moines Art Center

Er war festgeschmiedet am Hauptthema der Malerei, dem Menschen. Francis Bacon (1909 – 1992) konzentrierte seine schöpferischen Kräfte auf die Existenz des Menschen zwischen dem Nichts und dem Sein.

Ich glaube nicht, dass Kunst etwas allgemein Verfügbares ist, sie ist etwas Seltenes und Merkwürdiges und sollte total isoliert werden. Je mehr sie isoliert ist, desto eher wird man sich ihrer Magie bewusst.

Bei Bacon gibt es keine ruhigen Oberflächen, hinter denen das „Andere“ lauert, es ist allgegenwärtig. Der Mensch hält das Schreckliche nicht aus. Scham, Pietät, Takt sind Mechanismen des Selbstschutzes, die zum Wegschauen anleiten. Francis Bacon riss auf seinen Bildern die Schleier der äußeren Erscheinung hinweg. Bacons Figuren sind Verfolgte und Getriebene, Opfer und Täter.

Allein die Tatsache, dass wir geboren werden und dass wir leben, ist doch etwas sehr Grausames. Das Leben besteht nur aus Leiden und Hoffnungslosigkeit.

Mehrere Gründe bewogen Francis Bacon dazu, sich jahrelang mit dem Papstporträt von Diego Velázquez zu beschäftigen. Er sammelte Photos, kaufte Bücher mit Abbildungen dieses Papstporträts und hortete Reproduktionen des berühmten Bildes. Innerhalb von zwanzig Jahren malte er etwa 45 Papstbilder.
Oft verwies er auf die satte Farbgebung, die Komposition des Bildes und die körperliche Präsenz des Papstes. Doch auch der verwegene und fast hinterhältige Blick des Papstes und seine schmalen, verbissenen Lippen, welche nichts Gutes verheißen, faszinierten ihn.
Dreihundert Jahre nach dem Tod des Velázquez variierte Francis Bacon dieses Papstporträt. Sämtliche seiner Versionen stützen sich auf dieses Porträt, auch die dramatischsten, welche den Papst mit aufgerissenem Mund zeigen. Der Unterschied besteht vor allem darin, dass der Papst sein Unbehagen an seinem Amt und seiner Umgebung nicht wie beim großen Spanier in sich hineinfrisst, sondern sich an den Armlehnen seines Stuhles festkrallt und hinausschreit.

Der Papst hat eine einzigartige Stellung, indem er Papst ist, und deshalb ist es wie in großen Tragödien, als ob er auf einem Podium stünde, von dem aus die Hoheit seiner Gestalt der Welt gezeigt werden kann.

Bacon ging noch einen Schritt weiter. Er stellte den Papst immer total isoliert auf einem Stuhl sitzend dar und ließ ihn förmlich explodieren. Er holte alles, was verborgen und unterdrückt ist, aus dem Inneren der Figur heraus: Ich kaufe jedes Buch, das die Abbildung dieses Papstes von Velázquez enthält, weil es mich einfach verfolgt und sogar alle Arten von Gefühlen und Bereichen der Phantasie … in mir freilegt.

Große Kunst besteht immer darin, das sogenannte Faktische, das, was wir über unsere Existenz wissen, zu verdichten und es in einem neuen Licht erscheinen zu lassen . . . , die Schleier, die sich im Laufe der Zeit über das Faktische legen, herunterzureißen. Ideen hüllen sich immer in die Schleier der äußeren Erscheinung, Haltungen, die wir aus Gegenwart und frühester Vergangenheit übernommen haben. Wirklich gute Künstler reißen diese Schleier herunter.

• Biographisches
• Velázquez' Porträt des Papstes Innozenz X.



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