Biographisches

Francis Bacon wurde am 28. Oktober 1909 als zweites von fünf Kindern in Dublin geboren. Sein Vater Anthony Edward Mortimer Bacon war ein ehemaliger Major in der britischen Armee und dann als Pferdezüchter tätig. Die Mutter des Künstlers, Christina Winifred Loxley Firth, stammte aus einer wohlhabenden Industriellenfamilie. Bacons Verhältnis zu seinen Eltern war schwierig, wobei er besonders mit seinem autoritären und gewalttätigen Vater haderte. Dieser ließ seinen Sohn schon bei geringen Verfehlungen von Stallburschen auspeitschen. Der Höhepunkt dieses Dramas ereignete sich dann 1926, als der Vater den 16-Jährigen dabei erwischte, wie er die Unterwäsche seiner Mutter anprobierte. Er warf seinen Sohn aus dem Haus.

Der erst sechzehnjährige Francis reagierte auf diesen barbarischen Akt mit erstaunlicher Souveränität. Er nahm diese Verstoßung durch den Vater als Schicksalsschlag an und leitete in nuce aus dem Bruch mit der Familie die Künstlerphilosophie eines selbstbestimmten Lebens ab.

Es begann eine hoffnungslos scheinende Odyssee als Vagant, Handlanger, Trinker. Er ging nach London, unternahm Reisen nach Berlin und Paris und stürzte sich ins Nachtleben. Um Geld zu verdienen, arbeitete er als Kellner und Diener, später schuf er sich ein Einkommen mit Innenarchitektur-Designs wie etwa Möbelentwürfen. Er ließ sich von wohlhabenden Freiern aushalten – oft auch missbrauchen. Aus jener Zeit sind nur wenige Werke Bacons erhalten, da er diese oft in zorniger Unzufriedenheit zerstörte. Den Zweiten Weltkrieg erlebt Bacon, wegen seines Asthmas für untauglich erklärt, beim Zivilschutz in England. Mit seiner Karriere ging es Ende der 40er Jahre aufwärts. Ausstellungen in London, auf der Biennale von Venedig 1954 und in Paris. Die renommierte Galerie Marlborough in London und New York übernahm seine Vertretung.

Während vieler Jahre stand nicht die Kunst, sondern die Sexualität im Zentrum seines Lebens. Nach Auspeitschungen durch Sexualpartner musste er häufig ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Wie er später sagte, ging es ihm nicht so sehr um Sexualität, sondern die körperliche Verausgabung als Grenzmoment. Er fand sein Leben lächerlich und grässlich.

Im ersten Stock eines ehemaligen Kutscherhauses in der Reece Mews im Londoner Stadtteil South Kensington arbeitete Francis Bacon über dreißig Jahre lang. Küche und Bad waren auf einen Raum reduziert, ein Zimmer diente als Wohn- und Schlafzimmer und ein anderes als sein Atelier. Es war berüchtigt für seine eigenwillige Unordnung. I feel at home here in this chaos because the chaos suggests images to me, sagte er. Dieses Atelier wurde 1998 in der Hugh Lane in Dublin originalgetreu wieder aufgebaut.

Francis Bacon in gängige Kategorien einzuordnen, ist schwierig. Wie er selbst sagte, war er von der Tradition der europäischen Schreckensmalerei, von Hieronymus Bosch und Francisco de Goya bis zu den Surrealisten besonders beeindruckt.

Seine Gemälde thematisieren vor allem den körperlichen Schmerz. Verformte Torsi, verzweifelt aufschreiende gequälte Kreaturen werden auf ihre Physis reduziert und stehen für ein Leiden ohne Sinn. Meine Bilder sollen aussehen, als sei ein menschliches Wesen durch sie hindurchgezogen und hätte eine Spur von menschlicher Anwesenheit und die Erinnerung an vergangene Ereignisse zurückgelassen, so wie eine Schnecke ihren Schleim bitter hinter sich lässt.

Bacons Motivwahl war womöglich auch dadurch beeinflusst, dass er sich zu gewalttätigen Männern hingezogen fühlte. Ein Stoß seines Liebhabers Peter Lacy durch ein Fenster verursachte ihm schwere Gesichtsverletzungen, doch danach habe er Lacy umso mehr geliebt, schrieb der Kunstkritiker John Richardson im New York Review of Books. Nachdem sich Lacy in Tanger zu Tode gesoffen hatte, lernte Bacon den Kriminellen George Dyer kennen, der versucht hatte, in seine Wohnung einzubrechen. Der gefeierte Künstler begann eine Beziehung mit dem Einbrecher, der in der Folge allerdings mehr und mehr der Trunksucht verfiel. Am Vorabend einer großen Retrospektive im Pariser Grand Palais im Oktober 1971 wurde Dyer schließlich tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden. Tabletten- und Alkohol-Missbrauch waren die Todesursache.

Ich glaube, dass der Realismus neu erfunden werden muss. Er muss kontinuierlich neu erfunden werden. In einem seiner Briefe spricht van Gogh von der Notwendigkeit, Veränderungen in der Wirklichkeit vorzunehmen, die zu Lügen werden, welche wahrer sind als die reine Wahrheit. Das ist der einzig mögliche Weg, auf dem der Maler die Intensität der Wirklichkeit, die er einzufangen versucht, zurückbringen kann. Ich glaube, dass Wirklichkeit in der Kunst etwas zutiefst Artifizielles ist und dass sie wieder neu erschaffen werden muss.

Anmerken ließ sich Bacon seinen Ruhm zu Lebzeiten nie. Von der etablierten Gesellschaft hielt er sich fern, der Kunstbetrieb und der Medienrummel waren ihm zuwider.

Während einer Reise nach Madrid, wo er die Velázquez-Ausstellung im Prado besuchte, verschlechterte sich Bacons Gesundheitszustand. In einer Bar, welche er oft besuchte, nahm er seine letzten Martinis. Er musste in ein Krankenhaus eingeliefert werden, wo er am 28. April 1992 starb.

Er hinterließ ein schier unfassbares Gesamtwerk, das wie ein Spiegel seiner Lebensweise wirkt.




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