Caravaggio: David mit dem Haupt des Goliath, 1604-1605

Michelangelo Merisi, genannt Caravaggio, wurde am 29. September 1571 in Mailand geboren und starb am 18. Juli 1610 in Porto Ercole in der Toskana.

Zur Zeit Caravaggios galt stupor, das Staunen, als höchstes Ziel der Kunst. Das gemeinsame Beurteilen von Gemälden wurde zu einem Spiel von Geist und Witz des Adels, des geistlichen wie des weltlichen. Caravaggios Bilder bedienten diese Lust der Muße, aber entsprachen auch der Forderung der Gegenreformation, für das einfache Volk unmittelbar verständlich zu sein. Die Menschen sollten aber auch mitfühlen und einbezogen, ja überwältigt werden.

Auf diesem Gemälde lässt David nach seiner Tat Goliaths Schwert sehr stilvoll auf der eigenen Schulter ruhen. Sein Gesicht ist nicht von Triumphüberwältigung gezeichnet, sondern ruht fast in einer stillen Melancholie. David blickt zu jemandem, welcher nicht im Bild aufscheint, auch nicht zum Betrachter. Die Kraft und das Glück des jugendlichen Siegers sind gebändigt von der Fragwürdigkeit seiner Tat, die ihm offenbar in diesem Augenblick voll bewusst geworden ist. Der dunkle Hintergrund des Bildes lässt die Vermutung zu, dass Caravaggio jenen Augenblick festhält, in dem David vor Saul tritt und ihm das Haupt des Goliath zeigt.

Das Bild bezieht sich auf das siebzehnte Kapitel des ersten Samuelbuches. In diesem wird eine entscheidende Kampfszene der Israeliten mit den Bewohnern Palästinas, den Philistern, geschildert. Darin heißt es:

Der Philister kam immer näher an David heran; sein Schildträger schritt vor ihm her. Voll Verachtung blickte der Philister David an, als er ihn sah; denn David war noch sehr jung, er war blond und von schöner Gestalt. Der Philister sagte zu David: Bin ich denn ein Hund, dass du mit einem Stock zu mir kommst? Und er verfluchte David bei seinen Göttern . . .
David antwortete dem Philister: Du kommst zu mir mit Schwert, Speer und Sichelschwert, ich aber komme zu dir im Namen des Herrn der Heere, des Gottes der Schlachtreihen Israels, den du verhöhnt hast. Heute wird der Herr dich mir ausliefern . . .
Als der Philister weiter vorrückte und immer näher an David herankam, lief auch David von der Schlachtreihe der Israeliten aus schnell dem Philister entgegen. Er griff in seine Hirtentasche, nahm einen Stein heraus, schleuderte ihn ab und traf den Philister an der Stirn. Der Stein drang in die Stirn ein, und der Philister fiel mit dem Gesicht zu Boden.. So besiegte David den Philister. Er ergriff dessen Schwert, zog es aus der Scheide, schlug ihm den Kopf ab und tötete ihn. Als die Philister sahen, dass ihr starker Mann tot war, flohen sie . . .
Als David zurückkehrte, nachdem er den Philister erschlagen hatte, nahm ihn Abner¹ mit und führte ihn zu König Saul. David hatte den Kopf des Philisters noch in der Hand. Saul fragte ihn, wessen Sohn bist du, junger Mann? David antwortete: Der Sohn deines Knechtes Isai aus Betlehem.

Das Bild kam 1667 in den Besitz der Habsburger und befindet sich jetzt im Kunsthistorischen Museum in Wien.




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1) Heerführer Sauls




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