Innozenz X.
Giovanni Battista Pamphili

Gian Lorenzo Bernini
Innozenz X., Palazzo Doria Pamphili

Giovanni Battista Pamphili wurde 1574 in Rom geboren und 1644 zum Papst gewählt.

Seine Vorfahren stammten aus Gubbio in Umbrien. Gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts verlegte die Familie ihren Sitz nach Rom. Bald zählte sie zu den einflussreichen Fürstenhäusern der Stadt.

Innozenz X. war ein untadeliger und friedensliebender Mann. Als Motiv für sein Papstwappen wählte er die Friedenstaube mit einem Olivenzweig. Ludwig von Pastor nennt sein Pontifikat allerdings weder glänzend noch glücklich. Leopold von Ranke beschreibt Innozenz X. in seiner Geschichte der Päpste so: Der kluge und entschlossene Mann litt an einem Fehler, der es schwer machte, mit ihm auszukommen, und ihm selbst sein Leben verbitterte: Er hatte zu niemandem ein unerschütterliches Vertrauen, Gunst und Ungunst wechselten nach den Eindrücken des Augenblicks in ihm ab.

Als Papst verfügte er nur mehr über geringen Einfluss auf die katholischen Mächte. Es gelang ihm nicht, die Verhandlungen, welche dem Westfälischen Frieden vorausgingen, in seinem Sinne zu beeinflussen. Sein feierlicher Protest, im Breve Zelo Domus Dei niedergelegt und im November 1648 veröffentlicht, änderte nichts mehr an den beschlossenen Vereinbarungen, welche er als gotteslästerlichen Angriff auf den wahren Glauben bezeichnete. Auch gelang es ihm nicht, den Kampf zwischen Frankreich und Spanien zu beenden.

1653 verurteilte er durch die Bulle Cum Occasione fünf Sätze aus dem einflussreichen Buch Augustinus des Bischofs Cornelius Jansenius. Gedrängt wurde er vor allem von Kardinal Mazarin im Namen Ludwigs XIV. Die Jesuiten, welche erklärte Gegner des Jansenismus waren, hatten dem Bischof Jansenius nur notdürftig verbrämten Calvinismus vorgeworfen.

Das Pontifikat von Innozenz X. war durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet. Die Familie Pamphili hatte seit langem ihren Wohnsitz an der Piazza Navona. Von 1644 an wurde der Palazzo Pamphili erneuert und beträchtlich erweitert, doch erst um 1650 wurde die Absicht erkennbar, die dort befindliche Kirche Sant'Agnese zum päpstlichen Mausoleum umzugestalten und in den Palastkomplex zu integrieren. Am 14. August 1652 ordnete Innozenz die Schenkung des Bauplatzes an seinen Neffen Camillo Pamphili an. Einen Tag später erfolgte die Grundsteinlegung durch dessen fünfjährigen Sohn Giovanni Battista.

Gaspar van Wittel: Piazza Navona (1699) links: Sant'Agnese in Agone, vorne links: Palazzo Pamphili
(Google Art Project, Museo Nacional Thyssen-Bornemisza)

Die Gestaltung der Piazza Navona ist ein hervorragendes Beispiel für die Prachtentfaltung und Repräsentationslust der Päpste dieser Zeit.. Das alte Stadion des Kaisers Domitian (81 – 96) wurde zu einem Verherrlichungsplatz der Familie Pamphili umgestaltet. Mit der Familiengrabkirche Sant'Agnese und dem aufwändigen Familienpalast bildete der Vier-Ströme-Brunnen von Gian Lorenzo Bernini, welcher die Herrschaft des Papstes über die vier damals bekannten Erdteile darstellte, ein Triumphensemble sondergleichen. Im Palast schuf Pietro da Cortona (1596 – 1669) Fresken, welche Episoden aus Vergils Aeneis zum Inhalt hatten. Dadurch sollte der Mythos von einer altrömischen Abstammung der Familie Pamphili verstärkt werden.

Leopold von Ranke bezeichnet das Pontifikat von Innozenz X. als eines ohne Widerwärtigkeiten, das nur durch die Übelstände der päpstlichen Familie in schlechten Ruf geraten war. Der Papst wurde dadurch launisch, wankelmütig, eigensinnig und sich selbst beschwerlich. Einen tiefen Schatten, welcher die guten Eigenschaften des Papstes verdunkelte, warf auf sein Pontifikat diese enge Familienbindung. Auch er konnte die Plage des Nepotismus, welche das Papsttum vom 11. bis zum 17. Jahrhundert maßgeblich prägte, nicht überwinden. Innozenz X. wurde während seines Pontifikats sehr von Olimpia Maidalchini, der Witwe seines verstorbenen Bruders, beeinflusst. Der Volksmund nannte sie Papessa. Als ein Kardinal dem Papst eine Medaille zeigte, welche in Florenz geprägt worden war, und auf der Olimpia mit päpstlichen Insignien und Innozenz mit einer Frauenhaube neben einem Spinnrad zu sehen war, versuchte er, zu seiner Schwägerin auf Distanz zu gehen. Doch dies gelang ihm nur für kurze Zeit.

Er starb er am 5. Januar 1655. Nach seinem Tod fühlte sich kein Mitglied der Familie für die Bestattung zuständig. Drei Tage kümmerte sich niemand um den Toten. Schließlich erbarmte sich ein Kanonikus und ließ den Leichnam ohne Feierlichkeiten bestatten.

Die sterblichen Überreste von Innozenz X. wurden 1677 nach Sant’Agnese in Agone überführt und in der Capella di Santa Francesca Romana bestattet. Erst 1729 wurde nach einer Zeichnung von Giovanni Battista Maini ein marmornes Grabdenkmal errichtet.

Giovanni Battista Maini
Grabmal von Innozenz X. in Sant' Agnese in Agone, Piazza Navona




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