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Jacopo Carucci, genannt Pontormo, wurde am 24. Mai 1494 in Pontormo, einem Nachbarort von Empoli, geboren. 1499 verlor er seinen Vater, 1504 seine Mutter. Zunächst kam er in die Obhut seiner Großmutter mütterlicherseits.

Ab 1508 arbeitete er in verschiedenen Werkstätten in Florenz. Um diese Zeit kam auch Raphael von Urbino nach Florenz. Vasari erzählt: Raffaello Santi sah die Arbeit und den jungen Menschen, der sie gemacht hatte, mit unendlichem Staunen und sagte von Jacopo das vorher, was man dann hat eintreffen sehen.

1514 begann seine umfangreiche Tätigkeit, welche vornehmlich Ölgemälde und Fresken umfasste. Als seine erste große Wandmalerei gilt die Heimsuchung Marias in der Kirche Santissima Annunziata in Florenz.

1518 malte er verschiedene Episoden aus dem Leben des ägyptischen Joseph in einem Bild. Es zeichnet sich durch seine kompositorische Vielfalt aus und erregte allgemeine Bewunderung. In dieser Zeit schuf er auch sein berühmtes Ölgemälde des Cosimo de'Medici il Vecchio, welches sich heute in den Uffizien befindet.

1528 entstand eine andere Darstellung der Heimsuchung Marias, auf der sich die vier Frauengestalten in einem Reigen zu drehen scheinen.

1534 porträtierte er Alessandro de'Medici schwarz gekleidet und einen Frauenkopf zeichnend.

1546 erhielt Pontormo von den Medicis den Auftrag, die Chorkapelle von San Lorenzo auszumalen. Vasari berichtet: Über diese Gunstbezeugung war Jacopo Pontormo hoch erfreut, denn obschon die Größe des Werkes ihm zu denken gab und vielleicht schreckte, denn er war schon hoch bei Jahren, so erwog er andererseits, wie er bei einem so großen Werke ein weites Feld hätte, seinen Wert und sein Können zu zeigen. . . Er sperrte nun jene Kapelle mit Mauern, Brettern und Verhängen ab, dass außer ihm sie nie eine lebende Seele, keiner seiner Freunde oder sonst jemand betrat. . . Der Kunsthistoriker Raffaello Borghini, 1537 – 1588, nannte Pontormos Fresken unwahrhaftig und ehrfurchtslos, da sie sich nicht an die Heilige Schrift hielten. Michel de Montaigne, 1533 – 1592, welcher auf seiner Italienreise auch Florenz besuchte, bezeichnete die Fresken als wunderschön. Bei Umbauten wurden diese Fresken Pontormos 1742 zerstört.

Hippokrates wird die Bemerkung zugeschrieben, dass das Denken eine Mühe der Seele sei, Leonardo da Vinci erweiterte diese Sicht, . . . der Maler ist von schlechter Verfassung des Leibes ob der Mühen seiner Kunst, die eher Geistesqual sind denn Lebensgewinn . . . Dies traf auf Pontormo zu.

1554 hatte er bereits alles gemalt, was ihn zu einem großen Maler des an solchen reichen sechzehnten Jahrhunderts machte. In dieser Zeit mied er bereits den geselligen Umgang mit Menschen. Er hatte sich ein Haus in Florenz in der Via Laura bauen lassen mit einem völlig isolierten Zimmer, in welches man nur über eine Treppe gelangte, die er je nach Laune hochzog oder hinunterließ. Vieles deutet darauf hin, dass er mehr war als ein exzentrischer Typ, er war ein Menschenfeind und voller Angst. Noch als junger Mann soll er nach Giorgio Vasari in der Werkstatt Leonardo da Vincis gearbeitet haben. Offenbar befolgte er den Rat Leonardos: … der Maler oder Zeichner muss solitär sein, insbesondere wenn er sich mit Spekulationen und Betrachtungen befasst, die, indem sie unentwegt vor seinen Augen erscheinen, dem Gedächtnis einen Stoff geben, der gut aufbewahrt werden muss. Und wenn du allein bist, gehörst du ganz dir selbst, und wenn du auch nur in Gesellschaft eines Gefährten bist, gehörst du dir nur zur Hälfte und um so weniger, je zudringlicher sein Umgang mit dir ist ... (so Leonardo in seinem Traktat über die Malerei).

Der an der Florentiner Akademie Vorlesungen über Dante und Petrarca haltende Giovan Battista Gelli schrieb in seinem Buch Die Launen des Schäfflers über Pontormo: Du sollst, wenn du ein weiser oder kluger Mann geheißen werden möchtest, dies durch das Tun erlangen, nicht durch das Tadeln; denn dies ist die Art der Dummen und Bösartigen; und solltest du etwas sehen, das nicht gebührend ist, dann möge es dir genügen, dies nicht zu loben. Und lerne ein wenig von unserem Pontormo, der, mag es unserer Zeit gleichwohl niemanden geben, derr ihm in der Malerei das Wasser reichen kann, doch nie etwas aus seiner Kunst tadelt, wenngleich er es müsste, da er sich an einer äußersten Grenze befindet, wo er mit Recht ein Urteil abgeben könnte; und doch lobt er noch die Dinge, die du lobst, mit Maßen freilich, um nicht Entrüstung hervorzurufen bei den Sachverständigen, die von dir nicht gelobt werden.

Jacob Burckhardt wird Mitte des XIX. Jahrhunderts in seinem Cicerone der Bedeutung Pontormos in keiner Weise gerecht. Nur beiläufig verweist er auf ihn und fertigt ihn als Manieristen ab.

Benedetto Larchi beschrieb ihn in einem Sonett:

Dieweilen ich mit dunkler Feder und armseliger Tinte
in vielen, vielen Jahren lebenden Lorbeer züchte,
macht Ihr, hehrer Pontormo, mit hellem Pinsel
unser Jahrhundert der Antike gleich:

dieweilen ich dem Pöbel gleich in trägem Schlummer liege
gebt Ihr dem Weiß und Purpurfarben neuen Preis,
indem Ihr abseits von der niederen Schar einhergeht,
Euch zum Ruhme, da gekannt von allen, und ein Vorbild uns.

Ihr Glücklicher, der auf geheimem Wege,
wo noch keines Menschen Spur,
wandelt allein zu nie gekanntem Ruhme.

Und dort, wo die Gestalt, die schneller ist
als Winde oder Pfeile und euch stets auf den Fersen
vergeblich ausholt dann zum letzten schweren Schlag.

Immer mehr scheint er sich in ein Dunkel begeben zu haben, das ihn nicht mehr losließ. Einmal schrieb er in sein Notizheft: Dienstag, zu Hause, ich machte, ich weiß nicht was.

Pontormo starb am 1. Januar 1556.

Bronzino, welcher mit großer Zuneigung dem Verstorbenen verbunden war, widmete ihm neunzehn Trauersonette. In einem dieser forderte er den kleinen Arnozufluss Orme, welcher dem Geburtsort des Verstorbenen den Namen (Ponte a Orme) gab, auf, zu einem großen Tränenstrom anzuschwellen:

Holder, schöner, edler Bach,
weine mit mir und empfange aus meinen Augen
mehr Kraft und Stärke denn aus deiner Quelle.
Du hast deinen Sohn verloren, ich meinen Freund und Bruder,
nein, meinen Vater, meinen Meister: nun erweise du mit mir,
was gebührt solch gerechter Liebe.




1526 hatte Pontormo vom wohlhabenden Florentiner Bürger Lodovico Capponi den Auftrag erhalten, eine Seitenkapelle von Santa Felicità auszustatten. Sie sollte den Capponis als Begräbniskapelle dienen.
Das Altarbild dieser Kapelle, in der sich Pontormos Verkündigungsfresko befindet, stellt die Grablegung Jesu dar. Am rechten Bildrand ist ein Mann mit wirren Locken, Bart und grüner Kopfbedeckung zu sehen. Er blickt schwermütig ins Nirgendwo – es ist Pontormo selbst.




Selbstporträt
aus der Überführung Christi in Santa Felicità, Florenz




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