Gerhard Richter: Betty

Öl auf Leinwand
Saint Louis Art Museum, Missouri

Das 1988 entstandene Bild Betty zählt zu Gerhard Richters bekanntesten Werken. Es ist ein suggestives Gemälde. Man erblickt eine Frau, deren Drehung die Aufmerksamkeit des Betrachters fesselt. Der rotweiß geblümte Morgenmantel und die matt glänzenden blonden Haare dominieren das Bild, sodass sie fast von seinem eigentlichen Gegenstand ablenken.

Erst auf den zweiten Blick wird bewusst, dass das Bild verwehrt, was ein Bildnis ausmacht, nämlich das Antlitz in seiner einzigartigen Identität zu zeigen. Vom Gesichtsausdruck der jungen Frau ist nichts zu erkennen. Was die Unverwechselbarkeit und die Individualität eines Menschen ausmacht, wird dem Betrachter vorenthalten.

Ob es sich hier wirklich um Betty, Gerhard Richters Tochter, handelt, kann nicht gesagt werden, vielmehr kann nur angenommen werden, was der Titel des Gemäldes sagt. Die Präsentation Bettys gibt nur vor, ein Bildnis zu sein, denn die Wirklichkeit der Dargestellten entschwindet hinter ihrer bildhaften Gegenwart. Die ästhetische Wirkung des Bildes basiert auch auf seiner Abgehobenheit von Realität. Betty blickt ins Leere, und es ist diese Leere, welche den Betrachter immer stärker fasziniert. Der abgewendete Kopf bringt zwar Geheimnisvolles in das Porträt, aber das Eigentliche, was erst allmählich zur Wirkung kommt, ist Wehmut über Verlust, Trennung und Abschied. Die Dargestellte blickt nicht in die Zukunft, sonder blickt zurück, in eine offenbar undurchdringliche Leere.

Gerhard Richter wurde am 9. Februar 1932 in Dresden geboren, floh 1961 mit seiner damaligen Frau in die Bundesrepublik. Von 1971 bis 1993 war er Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie. Er zählt heute zu jenen Malern, deren Werke Höchstpreise am internationalen Kunstmarkt erzielen. Gerhard Richter lebt heute zurückgezogen in seinem Haus in Köln.

In einem Interview sagte er: Das Denken ist beim Malen das Malen.




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