Nachdem dieser Kurs an sein Ende gelangt ist, fehlt nur noch ein Schlusswort. Alles, was eine mäßige Dosis Absurdität enthält, versöhnt uns mit dem Leben. Das Bemühen um diese Dosis war immer vorhanden. Nichts ist oberflächlicher als ein Verstand, der alles versteht. Um diesem Oberflächlichkeitsvorwurf zu entgehen, sei hier nur ein kleiner Assoziationsversuch unternommen.

Nimmt man die Anfangsbuchstaben der Vornamen der Teilnehmer, so ergibt sich folgende Beschreibung der Beteiligten und somit der gesamten Veranstaltung:

abwägend
charmant
einfallsreich
faul fragend fulminant
konfus keppelnd
leistungsbereit lustlos
nonchalant
ratlos
sensibel still stoisch stringent
zach

Nicht wer Fragen beantwortet, sondern wer sie klar stellt, kennt das Thema. Jedes Wort soll explodieren wie eine kompakte Ladung Sinn. Die Behauptung, dass dies immer der Fall war, wäre eine Verhöhnung einfachster Redlichkeit. Aber es war immer ein treibendes Motiv. Zeitigte dieser Kurs ein Ergebnis? Wenn ja, dann dieses: An Gott zu glauben heißt nicht, an Gott zu glauben, sondern nicht auf den Glauben an ihn verzichten zu wollen.


Barros, Schach

In diesem Kurs konnte - wie auch? - die Frage nach Gott nicht beantwortet, sondern nur auf ein bestimmtes Niveau gehoben werden. Das Unvermögen eine größere Klarheit herzustellen, wird auch nicht vom Verstand beklagt, höchstens von der Eitelkeit. Unermüdlich sollte gegen die Neigung des Intellekts angekämpft werden, die Vergangenheit zu vereinfachen. So hat die Beschäftigung mit den Aussagen wichtiger Denker der europäischen Zivilisation über Gott so manchen Fragen ein schärferes Profil verliehen. Dass entscheidende Antworten gegeben würden, war weder beabsichtigt noch wäre dies auch wünschenswert gewesen. So wurden viele Behauptungen zu Fragen. Es sollte in diesem Modul kein Platz sein für Lehrsätze, Phrasen oder Frömmelei. Es ging weder um Befriedigung vermeintlicher religiöser Instinkte noch um eine solche dogmatischer Neigungen. Dies war das einzige Dogma.

In Sean Penn’s Film Into the Wild, der den Abschluss dieses Kurses bildete, fielen am Ende die Sätze:
Alles bei seinem wahren Namen nennen, bei seinem wahren Namen!
und
Glück ist nur echt, wenn man es teilt.

Diesen soll nur hinzugefügt werden, was im Buch Kohelet, das im dritten Jahrhundert v. Chr. verfasst wurde, im siebten Kapitel, Vers 29 zu lesen ist:

Nur dies fand ich, sieh: Gott hat den Menschen recht gemacht, sie aber suchten große Erkenntnisse.


Georges de la Tour (1593-1652), Beweinung des heiligen Sebastian durch Irene, um 1649, Broglie
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