Begriffsklärungen und Symbole, Teil I

Von Nikolaus Werle

Zunächst werden die wichtigsten Bezeichnungen für das personifizierte Böse und das Böse in abstracto, Symbole und Begriffe, erläutert. Die Illustrationen haben eher unterhaltsamen als erkenntnisbringenden Wert.

Antichrist

Dieser Begriff taucht zuerst im Neuen Testament auf und bezeichnet Anhänger einer Lehre, nach der Jesus nicht der Christus sei. Der Begriff setzt die apokalyptische Erwartung voraus, dass in den letzten Zeiten der Widersacher Gottes auftreten und die Gemeinde der Frommen durch Verführung und Verfolgung zu vernichten suchen wird. In der Offenbarung des Johannes ist der widergöttliche Gegenspieler als Drache dargestellt, der zum furchtbaren Angriff gegen das Gottesvolk antritt, aber vom Erzengel Michael endgültig besiegt wird. Bereits seit Konstantin dem Großen gerieten diese Gedanken in den Hintergrund. Sie lebten erst im Hochmittelalter wieder auf, als Joachim von Fiore den Lauf der ganzen Geschichte zu deuten unternimmt und seine Schüler erstmalig das Papsttum, das die franziskanische Forderung der Armut nicht unterstützte, dem Antichrist gleichsetzten.

An diese mittelalterliche Tradition knüpft auch Martin Luther an, indem er im römischen Papsttum das Wüten des Antichrist sieht. Dabei steht ihm nicht die Person eines bestimmten Papstes, sondern die Institution des Papsttums vor Augen. Weil der Papst die Christen nicht selig sein lassen will ohne seine Gewalt. In den konfessionellen Auseinandersetzungen ist der Begriff bald auf die eine, bald auf die andere der streitenden Parteien angewendet worden. Mit dem Zurücktreten der konfessionellen Polemik verliert dann auch diese Vorstellung an Bedeutung. In der Romantik werden jedoch apokalyptische Überlieferungen und mit ihnen auch der Gedanke vom Antichrist neu belebt. Er wird überall da lebendig, wo man das Ende der Geschichte in den Blick fasst und in den Schrecken der Zeit den nahenden Untergang der Welt erwartet.

In die neutestamentlichen Vorstellungen vom Antichrist sind verschiedene Motive aus orientalischen Mythen und der jüdischen Apokalyptik eingeflossen, die insgesamt noch zu keiner einheitlichen Auffassung verarbeitet wurden. Die Johannesbriefe benennen mit den Worten ἀντίχριστος und ἀντίχριστοι (1. Joh. 2, 18ff., 4, 1–6; 2. Joh. 7) Anhänger einer unorthodoxen Lehre, die behauptet, dass Jesus nicht der Christus sei. Der Apostel Paulus selbst verwendet den Begriff nicht, doch darf mit großer Sicherheit angenommen werden, dass er gemäß den Aussagen von 2 Thess. 2, 1–12 am Ende der Zeit einen Menschen der Sünde und Sohn des Verderbens, der sich über alles erheben wird, was Gott heißt, annimmt. Jener wird in der Kraft Satans kommen, im Tempel Gottes thronen, die Menschen mit Lügenzeichen und Scheinwundern verführen und schließlich durch den Hauch aus dem Munde Jesu vernichtet werden. Dieser wurde später mit dem Antichrist gleichgesetzt. Das apokalyptische Tier mit den sieben Köpfen, das alle Macht der vier Tiere des Traumes Daniels (Dan. 7) in sich vereint, wurde zum Inbegriff der Schrecken und Verfolgungen, die über die Kirche hereinbrechen werden.

Im 17. und 18. Jh. verlor der A. innerhalb der theologischen Reflexion und Systematik weitgehend an Bedeutung. Der Rationalismus der Aufklärung lehnte zusammen mit dem Teufel auch den Antichrist ab. Traditionelle Antichristvorstellungen lebten im volkstümlichen Bereich, in pietistischen Strömungen und in der romantisch-idealistischen Philosophie (z. B. bei Schelling) fort. Durch Nietzsche, der im Antichrist den Inbegriff seiner antigöttlichen Herrenmoral (im Gegensatz zur christlichen Sklavenmoral) sah und sich mit ihm identifizierte (Ich bin der A.ntichrist), wurden dem bekannten Wort neue philosophisch-anthropologische Aspekte gegeben. Die neuere Antichrist-Literatur zeigt das Bemühen, die aktuelle Bedeutung der antichristlichen Macht aufzuweisen, insofern der Mensch den Gefährdungen subtiler Verführungen durch moderne Strömungen ausgesetzt ist.

In der Gegenwart haben Vorstellungen vom Antichrist keine große Bedeutung. Die christlichen Konfessionen stimmen in der dogmatischen Aussage überein, dass der Antichrist als Vorzeichen der Parusie Jesu Christi verstanden werden müsse. Es gibt sowohl welche, die an einer individuellen Erscheinungsweise des Antichrist festhalten, aber auch solche, die im Antichrist einen verlogenen Anspruch sehen, das zu verwirklichen, was der Welt mit Jesus Christus widerfahren ist.



Beelzebub

Beezebul oder auch Beelzebul (vom aramäischen Baal = Herr) erwähnt das Neue Testament als obersten Teufel und bösen Geist, mit dessen Hilfe Jesus nach Ansicht mancher seiner Zeitgenossen Austreibungen vorgenommen habe (Mt 12, 24; Mk 3, 22; Lk 11, 15). Mit größter Wahrscheinlichkeit kann man den Namen auf Baal-Zebul zurückführen, den Gott von Ekron, einer Stadt der Philister (2 Könige 1, 2c). Diesen Gott nannten die Hebräer Baal-Sebub (Herr der Fliegen), weil sein Altar von zahllosen Fliegen umschwirrt wurde, die vom Blut, das über seine Statue gegossen wurde, angelockt wurden. Die Umdeutung zum Herrn der Fliegen muss ursprünglich nicht eine Verspottung gewesen sein. Die Fliege galt als Seelentier, ihr Herr ist damit als Psychopompos, als Führer, der den Verstorbenen ins Jenseits geleitet, zu betrachten. Auch der Beginn des Seelenweges durch Verschlucken einer Fliege mit nachfolgender Schwangerschaft ist überliefert (z.B. die keltische Cuchulain).

Beelzebub ist nach der Dämonologie des Petrus Binsfeldius (1545 - 1598, Hexentheoretiker) als einer der höchsten Dämonen für die Todsünde der Unmäßigkeit zuständig, manche hielten ihn für den Höllenfürsten selbst.

Wenn er sich zeigt, erscheint er als eine riesige gehörnte Gestalt, bedeckt mit schwarzem Haar, Entenfüßen (Drudenfuß), Löwenschwanz und Fledermausflügeln. Das Faust-Volksbuch (Historia von D. Johann Fausten, 1587) beschreibt Beelzebub als Mischwesen aus Mensch und Rind: "...der hatte ein leibfarbes Haar, und einen Ochsenkopff, mit zweyn erschrecklichen Ohren, auch gantz zottig und härig mit zweyen grossen Flügeln, unnd so scharff, wie die Disteln im Felde, halb Grün unnd Gelb, allein das uber den Flügeln Fewerströmen heraus flogen, hatte einen Kühschwantz."

Er soll zum Hexensabbat erschienen sein, wo er sich mit allen Teilnehmern paarte. Bei Hexenversammlungen soll Beelzebub als Schöpfer und Erhalter aller Dinge angerufen worden sein. Es sind dies Anklänge an seine ältere Bedeutung. In 2 Könige 1 werden Boten zu Baal-Sebub ausgesandt, um bei der Gottheit die Heilung des Königs von Israel, Ahasja, zu erwirken.


Dämon, das Dämonische

Das griechische Wort δαιμων bedeutet Gottheit, Schicksal des Menschen im Guten wie im Bösen.

In der Epoche des Sturm und Drang (2. Hälfte des 18. Jahrhunderts) kommt der Brauch auf, mit dämonisch einen anderen Ausdruck für genial zu wählen. Der Kampf der Aufklärung gegen den Glauben an Dämonen erhält dadurch ein Korrektiv und Gegengewicht. Einen Anstoß zu diesem Wortgebrauch hat die Gestalt des Sokrates gegeben. Sokrates' Daimonion wird von nun an als der Genius im Menschen und der geniale Mensch als der dämonische verstanden.

Während das mit dem schöpferischen dichterischen Genie identifizierte Dämonische eine geistige Produktivkraft meint, die weder positiv noch negativ auf moralische Werte gerichtet ist, wird durch den dänischen Philosophen Sören Kierkegaard (1813 - 1855) und seit der Rezeption seines Werkes im deutschen Sprachraum die Bedeutung vorherrschend, nach welcher das Dämonische sich auf das Verhalten des Menschen bezieht, der permanent und autonom, und zwar aus Angst vor dem Guten, letzten Endes wegen der Angst der Freiheit vor sich selber, das Böse fördert, wobei bereits das Verharren in der moralischen Neutralität des Poetischen und ästhetisch Relevanten als Sichbegeben in das Böse ausgelegt wird. Ausdrücklich an Kierkegaards Ausführungen anknüpfend gibt der deutsche Philosoph Karl Jaspers folgende Definition: Das Dämonische als der trotzige Wille zum eigenen zufälligen Selbst ist ein Verzweifelt-man-selbst-sein-wollen. Das Sichverfangen in der Undurchsichtigkeit des Dämonischen und in dem verworrenen Glauben an dieses ist nach Jaspers, neben der Menschenvergötterung und dem Nihilismus, eine der miteinander eng zusammenhängenden Weisen des philosophischen Unglaubens bzw. des unphilosophischen und ungeläuterten Glaubens.



Teufel (lat. diabolus; engl. devil; frz. diable)

Für Teufel steht in der klassischen Traditionsliteratur (Bibel, Talmud) ‹śāṭān› (verwandt mit arab. šaiṭān), im übrigen Hebräischen und Jiddischen tofel (aus der Wurzel tfl, die im Arabischen, Jemenitischen besudeln, beschmieren bedeutet). Konvergent damit geht das Wort wahrscheinlich über die gotische Bibel (diabulus) auf das griechische διάβολος zurück, das in der Septuaginta das hebräische ‹śāṭān› übersetzt und im NT neben dem synonymen σατανᾶς steht. Teufel ist eine mit extrem negativen Eigenschaften ausgestattete Symbolgestalt, die generell der Verarbeitung der Erfahrungen des Bösen dient, wobei Probleme und Konflikte nicht rational angegangen, sondern auf eine mythische Personifikation projiziert werden.

Religionsgeschichtlich ist die Figur des Teufels nicht so alt wie die weit verbreiteten Dämonen. In vielen religiösen Anschauungen außerhalb des jüdisch-christlichen Kulturkreises treten personifizierte Konkretionen des Bösen auf, deren Merkmale teilweise auf die christliche Vorstellung vom Teufel übergehen. In archaischen Religionen ist ein moderater Dualismus zu beobachten, wonach die ursprünglich gute Schöpfung durch einen Trickster-Demiurgen verdorben worden sei.

Beispiele für Personifikationen sind: der böse Gott Ahriman der altiranischen Religion, der am Ende vernichtet wird; der griechische Hades als der Herr des Schattenreiches sowie die wegen ihrer Triebhaftigkeit und anderer Attribute im christlichen Raum einflussreichen Satyrn und Pan; ferner aus der sumerischen Kultur der böse Geist Ushum-Gal, bei den Assyro-Babyloniern der Unterweltsgott Nergal, der für den Tod, für Zerstörungen und Krieg verantwortlich ist. Weiter entfernt von den Ursprüngen des Judentums und Christentums sind der Gott Loki in der germanischen Mythologie, die personifizierten negativen Energien in den altindischen heiligen Schriften, den Veden, und in tibetischen Religionen. Die das geordnete Universum bedrohenden Chaoskräfte werden jedoch nicht überall zu einer dominierenden Teufelsgestalt profiliert (nicht z.B. in Ägypten, China und Japan oder im Synkretismus der römischen Religion).

Die hebräische Bibel lässt zwei miteinander nicht kompatible Positionen erkennen, eine den Dämonenglauben ablehnende und eine ihm immer breiteren Raum einräumende. Eine ältere Sicht hat keinerlei Bedenken, Gott auch als Urheber des Bösen und der Leiden zu sehen. Sporadisch tritt der Teufel im 6.–4. Jh. v. Chr. als Mitglied des himmlischen Hofstaates auf, dem die Rolle des Anklägers vor Gott oder des von Gott zugelassenen Prüfers des Hiob zukommt.

Als Anstifter zum Bösen kommt er erstmals in 1 Chronik 21, 1 vor; von da an benötigt die Bibel den Teufel, um Gott angesichts des Bösen zu entlasten. Die Paradiesschlange als Symbol dafür, dass Menschen die Herkunft physischer Übel, vor allem des Todes, und des moralisch Bösen nicht zu erklären vermögen, ist nach exegetischer Ansicht mit dem Teufel nicht identisch.

Das außerbiblische jüdische Schrifttum sucht einen prinzipiellen Dualismus abzuwehren, indem es den Teufel als ursprünglich gut geschaffene Kreatur Gottes, als Engelsfürst, darstellt, der mit einem Anhang moralisch schwacher Engel hybrid gegen Gott aufbegehrt habe (sog. Engelsturz, z.B. im äthiopischen Henochbuch 6–16). Der Teufel wird so zum Anführer der Dämonen und zu einem (von vornherein depotenzierten) Gegenspieler Gottes, in dem man in Verarbeitung der eigenen negativen Lebenserfahrungen alle erdenklichen negativen Eigenschaften kulminieren lässt.

Im Ganzen genommen zeigt sich das Neue Testament am Teufel und an den Dämonen stark interessiert, unter Verwendung heterogener Elemente aus der mittelmeerischen und nahöstlichen Spätantike. Jesus von Nazareth tritt nach übereinstimmender Meinung heutiger Bibelauslegung auch als heilender Exorzist auf.

Die Geheime Offenbarung des Johannes betrachtet die Geschichte als historisch-kosmischen Antagonismus, wobei das teuflische Arsenal (Engel des Abgrunds, das Tier und die Tiere, der Drache) zur Dämonisierung des Römischen Reiches dient. Nach dieser Schrift wird der Bereich des Nichtchristlichen polemisch dem Teufel zugewiesen. So heißt der Zeusaltar in Pergamon Thron Satans (Offenbarung 2, 13), und das Judentum wird, mit fatalen Folgen, als Synagoge Satans bezeichnet (Offenbarung. 2, 9). Die Geschichte wird mit dem Sieg Gottes und dem Sturz des Teufels in den See von Feuer und Schwefel enden (Offenbarung 20, 10). Späte Schriften des Neuen Testaments nehmen den Mythos vom Fall und Sturz der Engel auf (2 Petrus 2, 4 und Judas 6).

Damit ist für die nachbiblische Theologie die Basis gelegt, von der aus Ursprung und Wesen des Bösen erklärt werden können. Der Teufel gilt als Herr dieser Welt oder dieses Äons, dessen Herrschaft erschüttert, aber nicht beendet ist. Der moralische und kosmische Dualismus kann auch als Kampf zweier Reiche beschrieben werden. Der Teufel ist Urheber des Leidens, der Krankheiten, der Ketzereien und der Christenverfolgungen. Besonders akzentuiert ist er bei Aurelius Augustinus, für den er der Urheber des Geschlechtstriebes und daher der Erbsünde ist.

Der christliche Glaube ist heute wie damals die Option für die Priorität der Vernunft. Dieses Problem kann nicht durch naturwissenschaftliche Argumente entschieden werden. Auch das philosophische Denken stößt hier an seine Grenzen. In diesem Sinn gibt es eine letzte Beweisbarkeit der christlichen Grundoption nicht. Aber kann die Vernunft auf die Priorität des Vernünftigen vor dem Unvernünftigen verzichten, ohne sich selbst aufzugeben? Die Vernunft kann gar nicht anders, als auch das Unvernünftige nach ihrem Maß, also vernünftig zu denken, womit sie implizit doch wieder den eben geleugneten Primat der Vernunft aufrichtet. Durch seine Option für den Primat der Vernunft bleibt das Christentum auch heute "Aufklärung".

Die Götter der spätantiken Religionen, auch der germanischen, werden zum Teil mit dem Teufel identifiziert. Eine bedeutende Rolle wird dem Teufel als dem Versucher in der Wüste zugeschrieben, die vom frühen Mönchtum als Ort der Negation der spätantiken Kultur aufgesucht wird. In Fortsetzung des exorzistischen Wirkens Jesu und seiner Jünger wird der Exorzismus zum Ritual innerhalb und außerhalb der Taufliturgie. Eine in der Theologie immer wieder auftauchende Frage ist die nach dem Endzustand: Origines deutete als erster die Möglichkeit der Erlösung auch des Teufels und eine Rückkehr aller Geschöpfe einschließlich des Bösen zu Gott an. er fand und findet bis zur Gegenwart immer wieder Sympathisanten.



Das Pentagramm

Es wird auch Alpenkreuz, Drudenfuß, Elfenkreuz, Fünfwinkelzeichen genannt. Der Begriff kommt aus dem Griechischen: pente = fünf und gramma = Schriftzeichen.

Diese Bezeichnungen für den magischen Fünfstern, wie er schon in der Antike, z. B. bei den Pythagoräern, bekannt war und wegen seiner fünf erkennbaren „A“ auch Pentalpha genannt wurde, spiegeln seine vielschichtige Bedeutung wider. Das Pentagramm war das beliebteste Bannzeichen des Mittelalters, durch dessen Zauber man Hexen und böse Geister abwehren zu können glaubte. Damit der Zauber wirksam werde, musste das aus fünf einander kreuzenden Linien bestehende Pentagramm ohne Absetzen in einem Strichzug gezeichnet werden. Zur vollen Entwicklung der positiven Kräfte sollte eine Spitze des Fünfsterns nach oben zeigen. Mit nach unten weisender Spitze wurde es der bösen Magie zugeordnet. Eingeritzte Pentagramme sind auf Holzdecken alter Häuser und an alten Truhen zu finden.

Schon in der Antike war das magische Fünfwinkelzeichen zur Abwehr der bösen Drud gebräuchlich. Da die Drud nicht mehr dorthin zurückkehrt, wo sie einmal gewesen ist, gilt ihre Trittspur, der Drudenfuß, als Abwehrzeichen.





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