Gemälde von Abraham Blyenberch, um 1617.

A Picture of Himself

I doubt that Love is rather deaf than blind,
For else it could not be,
That she,
Whom I adore so much, should so slight me,
And cast my suit behind.
I'm sure my language to her was as sweet,
And all my closes meet
In numbers of as subtle feet,
As makes the youngest he
That sits in shadow of Apollo's tree.

O but my conscious fears,
That fly my thoughts between,
Prompt me that she hath seen
My hundreds of grey hairs,
Told six-and-forty years,
Read so much waste as she cannot embrace,
My mountain belly and my rocky face,
And all these, through her eyes, have stopped her ears.

Nicht blind, nein taub ist Liebe offenbar:
Wie wärs sonst möglich, wie,
dass sie
mich nicht beachtet hat, die ich beknie,
und meine Lieb verwarf?
Warn meine Worte doch von solcher Süße,
so elegant die Zeilenschlüsse
so fein der Verse muntere Füße,
wie sie der jüngste Fant
je in Apollos Lorbeerschatten fand!

Ach, welche Ängste fahren
mir durch die Sinne da,
und sagen mir: sie sah
die hundert grauen Haare,
zählte die sechsundvierzig Jahre,
maß eine Wüste, die sie nie umschließt,
mein Bauchgebirg, mein felsiges Gesicht --
und so verschloss das Auge ihr die Ohren.

​Aus dem Englischen von Werner von Koppenfels

Ben Jonson wurde am 11. Juni 1572 geboren. Bereits bei seiner Geburt war er vaterlos. Er erhielt eine gediegene humanistische Schulbildung, wurde Maurerlehrling, Soldat in den Niederlanden und bald auch erfolgreicher Stückeschreiber, welcher bis in die Hocharistokratie hinein geschätzt wurde. Er war ein leidenschaftlicher Beobachter seiner Zeit, voller Drastik und Schärfe, aber auch Selbstironie. Als er mit dem Dekan von Westminster die eigene Grablegung besprach, sagte er: „Sechs Fuß lang und zwei Fuß breit, das ist zu viel für mich. Zweimal zwei Fuß, mehr brauche ich nicht.“ „Das sollst du haben“, erwiderte ihm der Geistliche. So kam es, dass Ben Jonson als einziger Inhaber eines Ehrengrabes in der Westminster Abbey 1627 aufrecht beigesetzt wurde.