Oskar Loerke


Oskar Loerke
Wehrlos (1940)


Sie störten uns beim Anruf höchster Namen.
Sie schlürften an und setzten sich in Gruppen,
Um laut in unserm Heiligtum zu kramen,
zerwarfen Götter wie bemalte Puppen.

Der Weinstock trägt die immer gleichen Trauben.
Wer sie ihm nimmt, der hat ihn nicht beleidigt.
Und trafen sie uns schneidend roh am Glauben,
Wir sahen zu und haben nichts verteidigt.

Es toste ein Gewitter und wir schwiegen,
Als führen wir mitsamt in einem Nachen.
Oh, wären wir trotzdem doch ausgestiegen!
Und unverziehen bleibt uns unser Lachen.

Oskar Loerke wurde 1884 in Westpreußen geboren und starb 1942 in Berlin.
Auf Bitten seines Verlegers Samuel Fischer unterzeichnete Oskar Loerke
im Oktober 1933 das „Gelöbnis treuester Gefolgschaft“, ein öffentliches
Treueversprechen von 88 deutschen Dichtern und Schriftstellern an Adolf Hitler.
Er erwirkte dadurch seine Wiederaufnahme in die Preußische Akademie, die ihn
nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ausgeschlossen hatte.
In seinen Tagebüchern und Gedichten aus jener Zeit bekundete er seine Abscheu
und seine „Verzweiflung über das Teuflische“.