J. M. Coetzee

J. M. Coetzee:
Schande
(Disgrace, 1999),
Fischer Tb 2002,
284 Seiten.
In Coetzees finsterer Fabel, die in Südafrika spielt, taumelt David Lurie, ein Professor in mittleren Jahren, ziellos zwischen eigenen, gedankenlosen Verfehlungen und fremden, sinnlosen Gewalttaten, bis er Beschäftigung in einer Tierklinik findet, wo er die hoffnungslosen Fälle einschläfert. Wird er am Ende eingehen wie der verstümmelte Hund, den er lieb gewonnen hat?

In Luries quälendem Nachdenken über das Scheitern an der harten, unnachgiebigen Realität Südafrikas und in seinem tagträumerischen Phantasieren über eine Lord-Byron-Oper, die er schreiben möchte, wird deutlich, wie sehr er, der „moralische Dinosaurier“, sich als Künstler versteht: An seinem Kunst-Traum hält er fest, weil ihm nur noch die Kunst im Gegensatz zum wirklichen Leben Erlösung verheißt.


Ein düsteres und unerbittliches Buch für starke Menschen, die das Lesen als Möglichkeit erkennen, den eigenen Horizont beträchtlich zu erweitern...