Kirchliche Beschädigungen der Religion

1. Die Banalisierung des Sakralen

Nicht wenige Christen erschauern heute angesichts der Verflachung des liturgischen Lebens. Vielfach herrscht in den Kirchen spirituelles Blabla. Die Banalisierung des Sakralen ist den Kirchen umfassend gelungen.

Man könnte diese Banalisierung auch als Entzauberung der Religion schönreden, doch wird damit die Sehnsucht des Menschen nach Geheimnis und innerer Erfüllung ignoriert. Man begnügt sich mit dem Wohlbefinden in einem überschaubaren Zeitraum. Dafür gibt es dann eine Fülle von Rezepten. Massen von Therapeuten, Coaches und das gesamte Wellness-Business leben davon.

Doch Religion verspricht nicht das Heil dieser Welt. Es passiert nicht wenigen Menschen, dass ihr ganzes Leben ein Hiob-Martyrium ist. Der Gott, an den die Christen glauben, erlebte die Schmerzerfahrungen an sich selbst. Ein Christ begnügt sich daher nicht mit der vagen Hoffnung, dass nach einem guten Abendessen mit Freunden alles wieder gut ist.

Wer seinen Glauben ohne intensiven Zweifel lebt, der hat vom Glauben nichts verstanden.

Der Zweifel ist eine Suche, die sich nicht mit dieser Welt begnügt. Spirituelles Gewaber erkennt man daran, dass es in einem Binnenzirkel verbleibt und nicht mehr nach dem Transzendenten fragt. Das führt dann entweder zur Banalisierung des Sakralen oder zur Sakralisierung des Alltäglichen. Fast kein Mensch redet mehr über die dunkle Seite Gottes, seine verborgenen Seiten. Wenn Paulus im ersten Brief an die Korinther, Kapitel 13, schreibt, dass unser Wissen Stückwerk ist, dann bedeutet dies, dass sowohl menschliche Vorstellungen zum Menschsein gehören, aber auch der Zweifel.

Angesichts der verlorenen Liturgie* reduziert sich die Kirche fast nur mehr auf eine kulturelle Tradition und Riten der Beliebigkeit, nicht mehr auf ihr religiöses Fundament, dem sie früher eine äußere Form geben konnte, die von den Menschen bestaunt und erlebt wurde.

Die Misere des Verfalls des Sakralen erkennt man an der erbärmlichen Ästhetik des modernen Kirchenbaus und am Gelaber der die Liturgie vollziehenden Priesterschaft.


2. Die auf sich selbst bezogenen kirchlichen Institutionen ignorieren ihre Infragestellung durch Jesus

Kirchliche Institutionen sind heute, von einigen Besonderheiten abgesehen, weltlichen Vereinigungen völlig vergleichbar, sodass sich die verlegene Frage ergibt, wodurch sie eigentlich legitimiert sind? Dem vermeintlichen Funktionieren der Institutionen wird jede Spiritualität geopfert. Das Aufrechterhalten von Strukturen, die alt sein mögen, aber keineswegs den Anspruch erheben können, spezifisch christlich zu sein, scheint das Hauptanliegen der sog. Kirchenverwaltung zu sein. Die geistliche Ferne zum Heiligen Geist bewahrt jeden kümmerlichen Rest des behaupteten Unaufgebbaren.

Matthäus 23, 23 – 27:
Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr verschließt den Menschen das Himmelreich. Ihr selbst geht nicht hinein, aber ihr lasst auch die nicht hinein, die hineingehen wollen. Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr zieht über Land und Meer, um einen einzigen Menschen für euren Glauben zu gewinnen; und wenn er gewonnen ist, dann macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, der doppelt so schlimm ist wie ihr selbst. Weh euch, ihr seid blinde Führer! Ihr sagt: Wenn einer beim Tempel schwört, so ist das kein Eid; wer aber beim Gold des Tempels schwört, der ist an seinen Eid gebunden. Ihr blinden Narren! Was ist wichtiger: das Gold oder der Tempel, der das Gold erst heilig macht? Auch sagt ihr: Wenn einer beim Altar schwört, so ist das kein Eid; wer aber bei dem Opfer schwört, das auf dem Altar liegt, der ist an seinen Eid gebunden. Ihr Blinden! Was ist wichtiger: das Opfer oder der Altar, der das Opfer erst heilig macht? Wer beim Altar schwört, der schwört bei ihm und bei allem, was darauf liegt. Und wer beim Tempel schwört, der schwört bei ihm und bei dem, der darin wohnt. Und wer beim Himmel schwört, der schwört beim Thron Gottes und bei dem, der darauf sitzt. Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr gebt den Zehnten von Minze, Dill und Kümmel und lasst das Wichtigste im Gesetz außer Acht: Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue. Man muss das eine tun, ohne das andere zu lassen. Blinde Führer seid ihr: Ihr siebt Mücken aus und verschluckt Kamele. Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr haltet Becher und Schüsseln außen sauber, innen aber sind sie voll von dem, was ihr in eurer Maßlosigkeit zusammengeraubt habt. Du blinder Pharisäer! Mach den Becher zuerst innen sauber, dann ist er auch außen rein. Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr seid wie die Gräber, die außen weiß angestrichen sind und schön aussehen; innen aber sind sie voll Knochen, Schmutz und Verwesung.


3. Die Fixierung auf Moral und Missachtung der Freiheit eines Christen

Nicht selten wird heute das Christentum auf Moral reduziert. Als ginge es in erster Linie um menschliches Handeln, nicht um Gott, als ginge es um die Einhaltung menschlicher Gesetze und nicht um innere Haltungen. Stellvertretend für viele ähnliche überlieferte Aussagen Jesu sei hier die berühmte Episode mit der angeklagten Ehebrecherin angeführt.

Johannes, Kapitel 8, 2 – 11:
Am frühen Morgen begab er sich wieder in den Tempel. Alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte es. Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte und sagten zu ihm: Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt. Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Nun, was sagst du? Mit dieser Frage wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie. Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde. Als sie seine Antwort gehört hatten, ging einer nach dem anderen fort, zuerst die Ältesten. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand. Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt? Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh’ und sündige von jetzt an nicht mehr!

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