Mani

Der Manichäismus bildete eine aus indischen, persischen und christlichen Vorstellungen kommende Form der Gnosis, wobei er das Judentum schroff ablehnte. Mani selbst hat mindestens sieben Bücher verfasst, von denen Fragmente gefunden wurden. Papyrifunde aus Ruinengräbern mit koptischen Übersetzungen aus dem frühen vierten Jahrhundert enthalten Abhandlungen und Gespräche Manis mit seinen Jüngern. Sehr gut erschlossen werden kann die Gedankenwelt Manis aus den zahlreichen Texten seiner Gegner, deren bedeutendster wohl der ehemalige Manichäer Augustinus war.

Mani

Er wurde als Spross einer Familie des Hochadels am 14. April 216 in Babylonien, das zum persischen Reich gehörte, geboren. Im zwölften und dann wiederum im vierundzwanzigsten Lebensjahr erlebte er eine Berufung von seinem „Zwilling", seinem himmlischen Alter Ego. Von diesem wurde er aufgefordert, die ihm vermittelte Offenbarung zu verkünden. Dies tat er, zunächst in Mesopotamien, in Indien, schließlich im persischen Großreich. Zunächst erweckte er das Interesse verschiedener Herrscher. Unter dem Einfluss zoroastrischer Priester zitierte Bahram I. (274 – 276) Mani an den Hof von Persepolis, überschüttete ihn mit Vorwürfen und ließ ihn ins Gefängnis werfen. An den Folgen der Haft starb er 277.

Mani hatte erklärt, dass er der verheißene Paraklet sei, den Jesus im Johannesevangelium verheißen hat. In einem der in Berlin aufbewahrten Turfan-Fragmenten erklärt er: „Ein dankbarer Schüler bin ich, stammend aus Babels Land. Ein verkündender Schüler bin ich, ziehend fort von Babels Land, um aufzuheben einen Schrei über der Welt, der auf Erden entstanden ist.“

Lehre

Wie die Religion der Parsen geht er von der Vorstellung zweier von Ewigkeit her nebeneinander bestehender Reiche, eines Reichs des Lichtes und eines Reichs der Finsternis, aus. Jesus erscheint als der aus dem Reich des Lichtes herabgestiegene Erlöser der Menschheit.

Mani wollte den Menschen das Wissen um sie selbst und die Welt vermitteln. Mensch und Welt sind schlecht, da sie eine anomale Mischung zweier entgegengesetzter Prinzipien darstellen: Geist und Materie, Gut und Böse, Licht und Finsternis. Das Licht und das Göttliche gehören ihrem Wesen nach gar nicht zum Irdischen, sondern die Verbindung mit dem Stofflichen stellt eine Gefangenschaft des Geistigen dar. Heil kann nur von einer absoluten Scheidung beider „Naturen“ kommen. Mani spricht daher von den drei Zeiten, in der früheren waren beide Prinzipien völlig getrennt, in der gegenwärtigen entstand und vollzieht sich die Vermischung der beiden, in der künftigen wird die ursprüngliche Scheidung wieder hergestellt.

Die Vermischung entstand, als das Böse das Licht angriff. Das Ergebnis war jene verderbliche Mischung, welche Mani durch ausgefeilte Mythen darstellte.

Ethik

Das Heil des Menschen vollzieht sich im Sich-selbst-Bewusstwerden der Seele, die sich durch Erkenntnis ihrer göttlichen Natur erinnert. Wer die Loslösung von der Materie nicht erreicht, dessen Seele wird durch Wiedergeburt immer wieder in körperliche Vermischungen zurückkehren. Daraus ergibt sich strenge Enthaltsamkeit und radikale Entsagung.

Der Manichäismus unterschied zwischen den Wissenden und den Hörenden. Die Wissenden meiden jeden Fleischgenuss, lehnen die Sexualität ab und vollziehen keine Art von handwerklicher Tätigkeit. Ausdruck fand diese Haltung durch die tria signacula, die Siegel des Mundes, der Hände und des Busens. Dies bedeutete Enthaltung von Fleisch und Wein, von Arbeit und Besitz und von jeder Art geschlechtlicher Betätigung.
Jeder hat die Möglichkeit zu erkennen, welcher der drei Gruppen er angehört:
Ist er ein Pneumatiker, der erkannt hat, wie er die böse Materie verlässt? Ist er ein Psychiker, der sich bloß dafür interessiert, dem aber die wahre Erkenntnis mit dem daraus folgenden Tun verschlossen bleibt oder bloß ein Hyliker, ein rein materiell Gesinnter? (πνευμα = Hauch, Leben, heiliger Geist, ψυχη = Seele, υλη = Stoff, Material)


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