das böse

Terry Eagleton
Das Böse
Ullstein Verlag 2011
208 Seiten, € 19,05
Der an verschiedenen Universitäten lehrende Literaturtheoretiker hat sein Buch, das sich streckenweise so komisch liest wie ein Monty-Python-Sketch, Henry Kissinger gewidmet. Der Grund hiefür wird leider nicht angegeben.

Eagletons Humor kann vom menschlichen Leid pietätvoll reden - und dennoch scheint alles darauf hinauszulaufen, dass das Böse zwar schlimm ist, aber der Böse vor allem nur eines ist: lächerlich.

Das Buch ist ein Protest gegen einen den Menschen quälenden Mangel an Logik in der Welt, eine immer wieder offenbar werdende Sinnlosigkeit der Dinge. Das Problem des Bösen wird umso dringlicher, je mehr wir uns der Annahme der europäischen Aufklärung des 18. Jahrhunderts anschließen, wonach die Welt ein rationales Ganzes sei. Für die Fortschrittsgläubigen ist die Geschichte ein ständiger Zuwachs an wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen, die nur von geringfügigen Strömungen der Rückständigkeit durchsetzt sind. Diese unzivilisierten, unrationalen Anomalien werden demnach aber ausgesondert und ausgebügelt werden.

Diesem naiven Fortschrittsoptimismus kann der Autor nichts abgewinnen. Die daraus folgende Konsequenz macht dieses Buch so bemerkenswert. Das Böse wird nicht als triviale Theatralik dargestellt, sondern analysiert die Sinnlosigkeit unserer Wirklichkeit im Zusammenhang mit ihrer Verderbnis. Dies ist das Gegenteil zu jenem heute so verbreiteten moralisierenden Augenaufschlag, der meist noch mit keinen Widerspruch duldenden Rezepten zur Weltverbesserung einhergeht. Der Autor sieht im Bösen eine Art geistiger Verwahrlosung, welcher die Menschen nicht entgehen können, da sie Bestandteil der Freiheit ist.

Nikolaus Werle

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