Zum Inhalt dieses Kurses über das Böse

Die Theologie sieht die Wirklichkeit auch als Zeichenhaftigkeit, die es zu deuten gilt. Die Idee der Wissenschaft ist Forschung, die der Theologie ist Deutung. Das immerwährende Paradoxon der kritischen, nicht dogmatischen Theologie besteht darin, dass sie mit dem Anspruch auf Wahrheit deutend verfahren muss, ohne jemals einen sicheren Schlüssel der Deutung zu besitzen. Sie hat nicht mehr als flüchtige, verschwindende Hinweise in den Rätselfiguren des Daseins und dessen wunderlichen Verschlingungen.

Wir werden uns der eigenen Vergänglichkeit am meisten bewusst, wenn wir der triebhaften, hässlichen, dampfenden, vom Verfall gekennzeichneten Fleischlichkeit gewahr werden.

Der Tod ist die größtmögliche Distanz zu allem. Er ist das Nichtbeisichbleibenkönnen des Menschen. Gleichzeitig ist er die Erlösung aus dem Kreislauf des Angezogenseins und des Sichweggestoßenwähnens.

Das Böse ist nicht rätselhaft, wohl aber stoßen wir bei der Beschäftigung damit an die Grenzen unserer Deutungsmacht. Freud bezeichnete die Triebe als mythische Wesen, großartig in ihrer Unbestimmtheit. Die Triebe, so kann man folgern, bilden ein wichtiges Fundament des menschlichen Lebens. Sie können nicht erläutert werden, die Widersprüchlichkeit ist ihr Wesensmerkmal. Weil wir diese Widersprüchlichkeit so oft nicht verstehen, deuten wir sie als das Böse. Diese Deutung ist das Thema des Kurses.

Die Insel Utøya