Über die Methode dieses Kurses

Denken und Sprache

Dieses Modul ist für jene gedacht, die im Anblick der großen Umwälzungen und Katastrophen unserer Zeit den Versuch nicht aufgeben, sich durch selbständiges Denken mit den wichtigen Fragen des Menschseins auseinanderzusetzen.

Die Fragen unseres Daseins – damit meine ich sowohl die unserer eigenen Existenz als auch die der uns umgebenden äußeren Welt – mit unserem Denken anzugehen, ist älter als unsere Kenntnis diesbezüglicher schriftlicher Quellen, deren älteste etwa dreitausend Jahre alt sind. Im Grunde wissen wir sehr wenig über das, was den Menschen zum Menschen macht, den Beginn von Sprache und Denken. Beides ist nicht zu trennen. Denken ist an die Sprache gebunden. Mit dem Beginn der uns bekannten geschichtlichen Entwicklung finden wir die Sprache und die Sprachen bereits als im Wesentlichen fertige vor. Was sich an Wandlungen, Verschiebungen, Umformungen seitdem vollzogen hat, ist gegenüber dem Vorausgegangenen von untergeordneter Bedeutung.

Vor diesem relativ kleinen Zeitraum der menschlichen Geschichte, welcher die bereits erwähnten letzten dreitausend Jahre umfasst, liegt ein schwer zu ermessender Entwicklungsprozess des menschlichen Denkens, von dem wir fast nichts wissen. Winzig ist daher die uns bekannte historische Epoche in der Entwicklung des Menschen. Klein ist auch der Ausschnitt aus der Geschichte des Lebens und diese in der Gesamtentwicklung unserer Erde. Das Alter der Erde wird mit etwa 4,5 Milliarden, das des Universums mit 13,75 Milliarden Jahren angenommen. Was sind da schon die letzten drei Jahrtausende...


Sind wir unsere eigenen Karikaturen?

Friedrich Schlegel (1772 – 1829), eine der Leitfiguren der Romantik, sagt in seinen Athenäums-Fragmenten: „Es ist gleich tödlich für den Geist, ein System zu haben, und keins zu haben. Er wird sich also wohl entschließen müssen, beides zu verbinden.“ und „Jeder ungebildete Mensch ist die Karikatur von sich selbst.“

Dieses Modul hält sich an die antike Form von Lehre und Lernen. Es ist also systematisch aufgebaut und pflegt Wissensvermittlung durch Frage und Antwort.

Ich zitiere deshalb auch Schlegels zweite Aussage, weil ich nicht die geringste Lust habe, mich mit der Ignoranz von bildungsunwilligen Schülern zu beschäftigen, noch dazu, wenn es um ein so wichtiges Thema wie in diesem Modul geht. Wer stört, schläft oder sonst meinen Unwillen erregt, der ist für die Konsequenz eines Nichtgenügend selbst verantwortlich.


Lehren und Erziehen

Ist Infantilisierung die Zukunft der Schule? Es herrscht eine weit verbreitete Übereinstimmung unter den sogenannten Bildungsexperten, dass die Selbständigkeit der Schüler in jeder Hinsicht – sei es durch Gruppenarbeit, Recherchieren im Internet, eigenverantwortliches Lernen etc. – zu fördern sei, wobei jene Unterrichtsform als völlig überholt hingestellt wird, die mit dem „bösen“ Begriff Frontalunterricht, als ginge es um Kriege zwischen Lehrern und Schülern, bezeichnet wird.

Bildungswissenschafter und Pädagogen verfügen zwar über einen üppigen Apparat an den Universitäten und anderen Institutionen, hören es aber nicht gerne, wenn man ihnen den Wissenschaftsstatus abspricht und sie als eine bloße Betriebsamkeit betrachtet. Den großen Auftritt haben sie immer, wenn es ums Wortemachen geht. Statt von Allgemeinbildung sprechen sie lieber von Schlüsselqualifikationen, Bildungsstandards oder Basiskompetenzen. Diese wichtigen Leute wollen also die Schule immer neu erfinden, da sie mit der gegenwärtigen Situation nicht zufrieden sind.

Von den zahlreichen Studien, welche zu diesem Thema gemacht wurden, bleibt fast immer eine alte Einsicht über: In der Schule kommt es vor allem auf den Lehrer an. Am Lehrer hängt in erster Linie, ob die Erziehung glückt, der Unterricht etwas taugt und die Schüler eben nicht nur für die Schule, sondern für das Leben lernen.

Das Ansehen eines Lehrers erwächst vor allem aus seiner Fachkompetenz. Bei den Schülern, scheint mir, stehen jene Lehrer hoch im Kurs, welche von ihrem Fach viel verstehen und dieses Wissen den Schülern auch vermitteln können.

Die höchste Stufe der Unterrichtsgestaltung ist meines Erachtens die durch den Lehrer vollzogene Präsentierung eines Sachverhalts, den sich die Schüler verschiedentlich, aber durch eine sachgemäße Beschäftigung aneignen. Lehrer sind keine Tyrannen der Belehrung. Es gibt zwar manche, die das, was sie für wahr und richtig halten, allen zumuten, damit sie es glauben und tun. Doch spätestens seit Platon (428 – 348) gilt die Rechenschaftslegung nach dem strengen Maß der Vernunft: Das bessere Argument hat das letzte Wort.

„Erziehen heißt Vorbild sein,“ meinte Albert Einstein (1879 – 1955), „wenn’s nicht anders geht, ein abschreckendes“.